Riomaggiore. Ein paar Sonnenstrahlen bahnen sich ihren Weg zwischen den Sonnenschirmen hindurch, legen sich auf den Terrassenboden und streifen die Tische an der Veranda. Bis zu uns reichen sie nicht. Wir sitzen in der zweiten Tischreihe und schauen zwischen beigen Sonnenschirmen und den Köpfen der Gäste vor uns hindurch auf das glitzernde Meer. Neben uns drängen sich die Menschen über eine schmale Steintreppe hinunter zum Meer und trotzdem fühlt sich diese Kleine Terrasse für einen Moment wie eine Kleine Ruheoase mitten im Trubel an.
Ich will dir nichts vormachen: Die Cinque Terre sind überlaufen. Immer wieder höre ich von Leuten, dass sie die fünf Dörfer deshalb von ihrer Reiseliste gestrichen haben, oder, dass sie hingefahren sind, sie aber kaum genießen konnten. Das finde ich richtig schade, denn diese fünf Örtchen sind wirklich schön und mit ein bisschen Planung lassen sie sich auch deutlich entspannter erleben.
Deshalb habe ich dir fünf Slow-Travel-Tipps zusammengestellt, mit denen du die Cinque Terre besuchen kannst, ohne nur von Fotospot zu Fotospot zu hetzen.
Blcik auf Riomaggiore
1. Verschaff dir vorher einen Überblick über die Cinque Terre
Ich bin ein Fan davon sich beim Reisen einfach treiben zu lassen und nicht vorher alles akribisch zu planen. Aber im Fall der Cinque Terre würde ich dir absolut raten, dir vorher einen groben Überblick zu verschaffen. Und deshalb habe ich ihn hier für dich:
Die Cinque Terre sind wie der Name schon sagt fünf Dörfer, nämlich: Monterosso, Vernazza, Corniglia, Manarola und Riomaggiore. Sie kleben mit ihren pastellfarbenen Häusern an der ligurischen Steilküste und wirken fast, als wären sie direkt aus dem Felsen gewachsen. Diese pittoreske Kulisse hat sie weltberühmt gemacht – meiner Meinung nach absolut zu Recht!
- Monterosso al Mare ist der größte Ort der Cinque Terre und hat den größten Strand der fünf Dörfer. Wenn du also einen Badetag im Auge hast, ist das dein Place to be. Der Ort ist deutlich weitläufiger als die anderen, hier kannst du den Tag ganz entspannt zwischen Strandpromenade und Cafés angehen lassen.
- Vernazza ist das wohl bekannteste Fotomotiv der Cinque Terre. Die bunten Häuser ziehen sich dicht gedrängt hinunter an einen kleinen Naturhafen, in dem Fischerboote schaukeln. Hier bekommst du die ikonischen Cinque-Terre-Ansichten und am meisten Cinque Terre Feeling.
- Corniglia ist das einzige Dorf, das nicht direkt am Meer liegt, sondern etwas oberhalb auf einem Felsen thront. Du erreichst es über die 380 Stufen der „Lardarina“-Treppe. Der Aufstieg ist etwas anstrengend, aber wird mit wunderbarer Aussicht und ein spürbar mehr Ruhe als in den anderen Küstenorten belohnt.
- Manarola ist auch ein echtes Postkartenmotiv. Hier findest du eine kleine Badebucht, wunderschöne Sonnenuntergänge und du kannst von hier aus auf den berühmten „Via dell’Amore“-Weg starten.
- Riomaggiore ist wie im Eingangstext angedeutet, berühmt für seine schmalen Gassen, die sogenannten „Caruggi“. Als erstes Dorf von La Spezia kommend, wirkt Riomaggiore lebendig und gleichzeitig rauer und ursprünglicher als die anderen. Besonders prägend ist die kleine, geschützte Hafenbucht, in der bunte Fischerboote dich aneinander liegen. Hier spürst du noch am ehesten den Charakter eines alten ligurischen Fischerdorfs. Außerdem liegen oberhalb des Dorfes terrassierte Weinberge, in denen der für die Region typische Süßwein Sciacchetrà produziert wird.
Mein persönlicher Tipp
Überleg dir nicht zuerst, wie du alle fünf Dörfer unterbringst, sondern welches am besten zu dir passt. Magst du Strand, würde ich Monterosso wählen. Für Postkartenkulisse Vernazza oder Manarola, für etwas mehr Ruhe Corniglia und für enge Gassen und Hafenatmosphäre Riomaggiore.

Bucht von Vernazza
2. Reise möglichst ohne Auto an
Als ich die Cinque Terre das erste Mal besucht habe, habe ich mich – wie eben beschrieben – einfach treiben lassen: Ich habe Riomaggiore ins Navi eingegeben und bin losgefahren.
Was sich als Fehler herausgestellt hat. Kurve um Kurve auf der immer schmaler werdenden Straße fragte ich mich zunehmend, warum ich mir diese endlos erscheinende Fahrt antue. Als ich endlich in Riomaggiore angekommen war, war mir die Lust völlig vergangen. Ich habe ein schnelles Foto geknipst und bin weitergefahren.
Das Dorf habe ich hauptsächlich im Rückspiegel betrachtet und mich darüber gefreut, dass es immer kleiner wurde, während ich mich wieder den Berg hinaufkämpfte.
Im Nachhinein habe ich gelernt: Die Cinque Terre lassen sich viel entspannter ohne Auto erkunden. Zug, Boot und Wanderwege verbinden die Dörfer miteinander und diese dre Möglichkeiten würde ich dir empfehlen.
Mit dem Zug
Die einfachste Art, in die Cinque Terre zu kommen und zwischen den Dörfern zu reisen, ist der Regionalzug. In der Saison ergänzt der Cinque-Terre-Express die Verbindungen zwischen La Spezia und Levanto; 2026 gibt es dabei ungefähr alle 30 Minuten zusätzliche Verbindungen. Den genauen Fahrplan vor dem Besuch unbedingt prüfen.
Mit dem Boot
Besonders eindrucksvoll ist der Blick auf die Cinque Terre vom Wasser aus. Deshalb kann ich dir nur empfehlen, zumindest eine Strecke zwischen den Orten – wenn du mehrere besuchst – mit dem Boot zurückzulegen. In der Saison verbinden Ausflugs- und Fährboote mehrere Küstenorte miteinander. Corniglia ist die Ausnahme, denn das Dorf liegt oberhalb der Küste und hat keinen Hafe. Da die Fahrpläne stark von Saison und Wetter abhängen, würde ich sie vorher auf jeden Fall prüfen.
Zu Fuß
Wusstest du, dass die Cinque Terre auch für ihre Wanderwege berühmt sind? Sie gehören zum Parco Nazionale della Cinque Terre. Einer der bekanntesten Wege ist der „Sentiero Azzurro“ (Blaue Weg), der die Dörfer entlang der Küste miteinander verbindet. Ebenfalls berühmt ist die Via dell’Amore zwischen Manarola und Riomaggiore. Wenn du es ruhiger magst, findest du im Hinterland zahlreiche anspruchsvollere Wanderungen, auf denen deutlich weniger Menschen unterwegs sind.
Wichtig: Für die Küstenabschnitte brauchst du den Cinque Terre Pass. Du kannst dir die Trekking Card kaufen (Zugang zu den Wanderwegen) oder die Train Card, bei der auch die Zugfahrten zwischen den Dörfern enthalten sind. Einzelne Abschnitte sind wegen Erdrutschen oder Wartungsarbeiten immer wieder gesperrt, informiere dich also vorab über den aktuellen Status und achte unbedingt auf geeignetes Schuhwerk.
Mein Reise-Tipp: Kombiniere am besten zwei oder drei Fortbewegungsarten, wenn du mehrere Dörfer besuchen möchtest.
Die Cinque Terre zu Fuß
3. Entscheide dich bewusst für einen oder zwei Orte
Viele Guides erklären, wie du alle fünf Cinque-Terre-Dörfer an ein oder zwei Tagen schaffst. Ich rate dir davon ab. Denn wenn du versuchst, alle Orte auf einmal zu sehen, verbringst du den Großteil deiner Zeit in Warteschlangen, vollen Zügen und dichten Besucherströmen – nimmt die besondere Atmosphäre der einzelnen Dörfer kaum wahr. Am Ende hast du zwar fünf Fotos aus fünf Dörfern aber kaum Erinnerungen an die Orte selbst.
Ich empfehle dir stattdessen, ein oder zwei Dörfer auszuwählen und dort wirklich anzukommen. Setz dich auf eine Terrasse mit Meerblick, spaziere durch die Gassen, geh schwimmen oder wandere entspannt ins Nachbardorf.
Mein Tipp: Wähle ein Dorf als Basis und verbinde es mit einem zweiten Ort zu Fuß oder per Boot.
Blick auf Manarola
4. Plane bewusst Ruheoasen ein
Wenn du den ganzen Tag in den Cinque Terre verbringen möchtest, dann plan unbedingt eine Mittagspause ein ☺ Das klingt vielleicht banal – ist aber entscheidend für einen entspannten Tag. Stell dir vor: Du wanderst von einem Dorf ins nächste, es geht steil bergauf und bergab, die Sonne brennt dir auf den Kopf. Als du endlich ankommst, wünscht du dir nichts sehnlicher als ein kühles Getränk und ein gutes, ruhiges Mittagessen.
Doch viele Restaurants sind klein, schnell voll oder stark besucht und plötzlich stehst du hungrig und genervt mitten im Trubel.
Genau das kannst du vermeiden, wenn du dir vorher überlegst, wie deine Mittagspause aussehen soll.
Wenn es kein Restaurant sein muss, ist es deutlich einfacher: Kleine Snacks zum Mitnehmen bekommst du in jedem Dorf. Wenn du es noch nicht probiert hast, empfehle ich dir auf jeden Fall Focaccia– das typische ligurisches Fladenbrot, pur oder belegt. Damit kannst du dich an einen ruhigen Platz am Meer oder entlang der Wanderwege zurückziehen und die Aussicht ganz in Ruhe genießen. Für richtig gute Take-away-Snacks empfehle ich dir die Officina 231 in Manarola (Via Antonio Discovolo, 231, 19017 Manarola).
Wenn du dir stattdessen ein Restaurant wünscht, das etwas Rückzug und Atmosphäre bietet, sind das meine Favoriten: In Riomaggiore gehe ich sehr gerne ins eingangs beschriebene Bistro Rio, in Monterosso empfehle ich dir das Torre Aurora. Beide liegen sehr schön und fühlen sich angenehm entspannt an.

Aussicht vom Torre Auroroa
5. Buch dir eine Aktivität
Zum Abschluss noch ein Bonustipp, der natürlich kein Muss ist, aber Spaß verspricht: Buch dir eine Aktivität. Klar, das kostet Zeit. Aber ist es nicht oft schöner, statt möglichst viel zu sehen, etwas wirklich zu erleben?
Ich habe drei Ideen für dich:
Eine Pesto Cooking Class.
Für kaum etwas ist Liguriens Küche so bekannt wie für Pesto alla Genovese. In den Cinque Terre gibt es ein Lokal, das fantastische Pesto Kurse mit großartiger Aussicht anbietet: das Nessun Dorma in Manarola. Den Ort solltest du dir ohnehin merken, denn auch ohne Kochkurs ist die Aussicht von dort einfach fantastisch.
Eine Bootsfaht zum Sonnenuntergang.
Die Sonne sinkt langsam ins Meer und taucht die Häuser der Cinque Terre in warmes, goldenes Licht, während du mit einem Glas Aperol in der Hand auf den Wellen schaukelst und den Abend ausklingen lässt. Klingt das nicht deutlich schöner, als hektisch alle Dörfer von der Liste zu streichen? Ich persönlich nutze dafür Get your Guide.
Eine Weinverkostung in den Terrassenweinbergen.
Die Cinque Terre sind berühmt für ihren Süßwein Sciacchetrà, der auf spektakulären Steilterrassen über dem Meer angebaut wird. Viele kleine Winzer bieten Verkostungen direkt in den Weinbergen an, oft mit Blick auf die Küste. Besonders eindrucksvoll ist der Besuch über die schmalen Weinbergpfade oder die kleine Einschienen-Weinbergbahn „Monorotaia“, die zwischen den Terrassen verläuft. So kannst du die Cinque Terre stressfrei erleben.
Egal wofür du dich entscheidest: Eine solche Erfahrung verlangsamt deine Reise automatisch und macht sie unvergesslich.
Mein Fazit
Ja, die Cinque Terre sind voll. Aber ich würde sie deshalb trotzdem nicht von meiner Reiseliste streichen. Mti eine bisschen Geduld, einem guten Plan und vielleicht einer vorher gebuchten Aktivität kann man trotzdem einen wunderschönen Tag in den Cinque Terre erleben.
Ich wünsche dir jedenfalls eine wunderschöne, entschleunigte Zeit in den Cinque Terre!

