Lech. Es ist spät geworden. Das Sonnenlicht, das sich den Tag über großzügig auf die Felder und Wiesen in Oberlech gelegt hat, zieht sich immer weiter auf die Berghänge zurück. Ich beschleunige meinen Schritt ein wenig, in der Hoffnung, dass ich so von oben noch den Sonnenuntergang erleben kann. Oben, das ist die Obere Gaisbühelalpe auf 2000m, wo ich heute übernachten möchte.
In dieser kleinen Hütte werde ich heute übernachten
Erster Ort oder erstes Thema
Vor dem Hintergrund, der immer tiefer steigenden Sonne, geht es steil nach oben, über Geröll und Wurzelwerk. Und als ich bei der kleinen Hütte ankomme, hat der Himmel sich tatsächlich geduldet und eine kleinen Streifen Sonnenuntergang für mich übrig gelassen. Dieser legt sich nun in rot, orangen Tönen auf die Berggipfel. Dann verschwindet die Sonne und der Dunkelheit scheint es gar nicht schnell genug gehen zu können. Schon kriecht sie über Felshänge ober mir der Hütte entgegen. Nachdem ich diese aufgesperrt, ein bisschen Wasser aus dem Brunnen geholt und es mir gemütlich gemacht habe, ist es drinnen schon ziemlich dunkel geworden. Zuhause würde man einfach den Lichtschalter betätigen, hier gibt es keinen Strom. Mir bleibt nur das flackernde Licht der Kerzen. Und ich will ehrlich mit dir sein, es ist mir schon ein bisschen unheimlich. Hier oben, fern ab von jeder Straße, Mitten in den Bergen.

Sonnenuntergang über der Hütte
Gott sei Dank, hat mein Freund beschlossen nach der Arbeit ebenfalls den Aufstieg auf die Hütte zu unternehmen und mir Gesellschaft zu leisten. Kurz nachdem die Dunkelheit die Hütte endgültig eingeschlossen kommt er zu mir und mit ihm ein bisschen Sicherheit und Behaglichkeit. Mit ihm wechseln Dunkelheit und Kerzenlicht ihr Gesicht und es ist ein ziemlich romantischer, schöner Abend.
Romantischer Abend in der Hütte
Ein Morgen in den Bergen
Die Sonne scheint sich nach dem spektakulären Sonnenuntergang des Vorabends ein bisschen Ruhe zu gönnen und so gibt sich der Himmel am nächsten Morgen wolkenverhangen und regnerisch. Zuerst bin ich ein bisschen traurig darüber, mich nicht in die Sonne vor die Hütte setzen zu können und das Panorama zu genießen. Aber eigentlich gibt es doch kaum was schöneres, als vor dem Knistern des Kamins in der gemütlichen Hütte zu entspannen. Die Zubereitung des Kaffees dauert ein bisschen. Was Zuhause ein Knopfdruck ist, beginnt hier mit Feuer machen, Wasser vom Brunnen holen, die Bialetti füllen und auf den Herd stellen. Und endet darin, dass mir das Feuer ausgeht, bevor der Kaffee fertig ist, kein kleines Holz mehr übrig ist und ich erst mal lernen muss mit einer Axt umzugehen, bevor ich meine erste Tasse Kaffee genießen kann.

Holz spalten
Als ich schließlich an dem runden Holztisch in der Stube sitze, das Feuer im Hintergrund knistert und seine Wärme sich im ganzen Raum ausgebreitet hat, genieße ich es umso mehr. Das ist ein wirklicher Slow-morning, denke ich. Natur, Stille, Gemütlichkeit. Kein Handy, nicht mal Elektrizität. Und schon nach wenigen Stunden merke wie mein Akku langsam wieder auflädt. Wie die Gedanken ein bisschen langsam fließen, sich vielleicht dem Rhythmus meiner Umgebung anpassen. Wahrscheinlich ist das der Grund warum ich mich von Zeit zu Zeit immer wieder nach Orten wie diesen sehne. Weil sie so unaufgeregt echt sind, dass das Unbedeutende langsam abbröckelt und nur bleibt was wirklich zählt. Ich bin dankbar, diesen Text hier oben schreiben zu können, weit weg von all den Nichtigkeiten, die sich aufblähen und mir weißmachen wollen unverzichtbar zu sein. Glücklich darüber mir in meinem Alltag kleines Inseln wie diese Nacht hier oben schaffen zu können und das Leben mal kurz ein bisschen langsamer zu leben. Wenn du die Hütte gerne in Bewegtbild sehen willst, dann schau gerne auf YouTube vorbei, wo ich den Abend als Video festgehalten habe.
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Ich wünsche dir alles Liebe und, dass du dir gönnst ab und an einen Gang runter zu schalten.
Deine Marie-Theres

